Tempietto del Clitunno
Im Ortsteil Pissignano, unweit der Quellen des Clitunno, erhebt sich ein kleines Gebäude, das zu schweben scheint auf dem Felssporn, auf dem es erbaut wurde: das Tempietto del Clitunno, dem San Salvatore geweiht.
Umgeben von Zypressen und gespiegelt im klaren Wasser des Flusses, erscheint das Tempietto als Ergebnis der Begegnung von christlicher Spiritualität und klassischer Eleganz. Seine Lage auf einem kleinen Felssporn macht es zu einem privilegierten Aussichtspunkt über eine Landschaft, die Reisende und Dichter aller Epochen begeistert hat.
Bereits Plinius der Jüngere beschrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. voller Staunen die Wasser des Clitunno und die Ruhe des Ortes – eine Atmosphäre, die über Jahrhunderte unverändert geblieben ist. Während der Renaissance wurde dieses winzige Tempelchen zur Inspirationsquelle für Künstler und Architekten: Palladio, Vanvitelli, Francesco di Giorgio Martini und Benozzo Gozzoli bewunderten seine perfekten Proportionen. Auch Lord Byron war beeindruckt und verherrlichte seine Schönheit in Childe Harold’s Pilgrimage, wodurch das Tempietto zum Symbol eines alten und poetischen Italiens wurde.
Täuschender Anschein eines römischen Tempels
Sein Erscheinungsbild erinnert stark an einen römischen Tempel: die harmonischen Proportionen, das korinthische Säulenportal und die feinen Reliefs haben Gelehrte und Reisende über Jahrhunderte hinweg getäuscht, sodass viele annahmen, er sei auf den Resten eines Tempels errichtet worden, der dem Gott Clitumnus geweiht war.
Heute sind viele Forscher jedoch der Ansicht, dass sein Ursprung christlich ist (laut einigen zwischen dem 4.–5. Jahrhundert, laut anderen zwischen dem 7.–8. Jahrhundert). Das Tempietto ist das Ergebnis der baulichen Meisterschaft der Langobarden, die dieses Monument durch die Verbindung von römischen Spolien und kunstvollen Nachahmungen des klassischen Stils schufen.
Als eines der bedeutendsten frühmittelalterlichen Denkmäler Umbriens wurde das Tempietto in die Liste des UNESCO-Welterbes im Rahmen des seriellen Kulturerbes „Die Langobarden in Italien. Orte der Macht (568–774 n. Chr.)“ aufgenommen.














